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Der unerwünschte Fall ist eingetreten, es wurden merkwürdige Veränderungen festgestellt und allgemeine
Ratlosigkeit und hektische Aktivität breitet sich naturgemäß aus.
Je nach Vorfall ist es notwendig die Ablauffolgen der Handlungen im Vorfeld zu fixieren, betroffene Mitarbeiter zu instruieren.
Der dem Ereignis am nächsten stehende ist in aller Regel der verantwortliche Administrator.
Dieser hat eine strukturierte Handlungsvorgabe vorbereitet die nun zum Einsatz kommt, neben
der Alarmierung der Geschäftsleitung.
Es gilt hier unbedingt, einen Status quo zu bewahren denn vernichtete Spuren oder veränderte Inhalte erschweren eine spätere Beurteilung erheblich.
Das Herunterfahren eines Systems löscht die Inhalte des Speichers und temporär angelegte Dateien, Spuren aktiver Schadprozesse
die flüchtiger Natur sind, gehen verloren. Systemdateien verändern sich
und überschreiben Inhalte an anderen Positionen der Festplatte.
Ein Grundsatz des Incident Response kann daher lauten:
"Eingeschaltete Geräte bleiben eingeschaltet und ausgeschaltete
Geräte bleiben ausgeschaltet." In anderen Länder wird auch das sofortige rigorose ziehen des Netzsteckers nicht
nur empfohlen, wie in den USA.
Um eine möglicherweise noch bestehende und missbräuchlich genutzte
Kommunikationsverbindung in das lokale Netzwerk oder zu externen Zielen (Internet, DFÜ- und Remote-Access-Zugänge)
zu unterbinden, sollte man maximal die Kommunikationsleitung zum Endgerät selbst trennen (LAN- oder Telefon-Kabel).
Sofern eine konkrete Attacke noch andauert, ist die Dokumentation des
Verbindungsstatus beispielsweise bei einer Wählverbindung vor dem Trennen der Verbindung wichtig. Oft sind auf dem System
entsprechende Monitorprogramme aktiv. Die dort gezeigte Rufnummer oder den Status sollte man am besten durch Zeugen und durch
abfotografieren des Bildschirms dokumentieren.
Das Erzeugen eines Bildschirm-Screenshots mit den üblichen Mitteln sollte unbedingt unterbleiben, da dies bereits wieder auf dem zu untersuchenden
System Daten erzeugt. Diese könnten eine spätere Analyse beeinträchtigen oder auch
unmöglich machen.
Überhaupt muss gerade in der ersten Phase des Incident Response darauf
geachtet werden, dass die Änderungen an den Systemen so minimal wie
irgend möglich ausfallen beziehungsweise ganz unterbleiben.
Die Untersuchung eines Systemes kann und sollte nur mit einem ausgewähltem Satz an Werkzeugen
erfolgen, deren Authentizität einwandfrei ist. Einem kompromittiertem System kann man nicht mehr trauen, den Programmen demnach auch nicht mehr.
Mit Bordmitteln das System selbst zu untersuchen kann zu Fehlern oder keinem
brauchbaren Ergebnis führen. Denn zu diesem Zeitpunkt kann die einwandfreie Funktion der
im System verfügbaren Boardmittel nicht mehr als sicher angenommen werden.
Die damit gewonnen Informationen können schon verfälscht sein und wichtige
Hinweise unterdrücken.
Michael Bormann
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