GAZ /  WZ   vom 04.12.2004 Servergeeignet?
Daten sammeln und horten macht Spaß. 

Bei den großen Festplatten, bis zu 400 GByte gibt es derzeit schon, ist auch jederzeit genügend Platz bei günstigen Preisen pro MByte vorhanden. Zunehmend werden Platten zu einem Verbund mit der Bezeichnung Raid1 geschaltet. Dabei soll eine weitere Festplatte die Datensicherheit gewährleisten indem sie die gleichen Informationen wie die erste beinhaltet. 
Was für den Heimanwender mit 2 Platten aus dem Elektronikmarkt nebenan günstig erworben gelten mag, darf und sollte für ein Unternehmen nicht das alleinige Kriterium sein, nämlich der Preis /MByte. 
Schaut man sich die Daten einer HD an, stellt man erhebliche Unterschiede fest, bezogen auf Umdrehungszahl, Zugriffszeit, internem Zwischenspeicher [Cache], mittlere Lebensdauer [MTBF] und Technologien wie SCSI, IDE, ATA, S-ATA. Dies sind offensichtliche Informationen, aber eine weitere Klassifizierung taucht seltener auf und wird überlesen, da das Auge zu leicht an der Preisangabe hängenbleibt. Die Bezeichnung "Servergeeignet" oder ähnlich ist mit einem weitaus höheren Preis verbunden, als dies bei herkömmlichen Desktop-HD's der Fall ist. 
Der Unterschied ist aber gravierend für die Datensicherheit im Unternehmen wo die Server 365 Tage rund um die Uhr, 8760 Stunden ohne Unterbrechung laufen sollen. Eine Desktop-HD zum Vergleich im Unternehmens- oder Privat-PC läuft "nur" 8 bis 10 Stunden am Tag, dafür ist diese ausgelegt, nicht aber unbedingt für Dauerbetrieb. Diese oft nicht genannte Eigenschaft verbirgt sich gelegentlich hinter dem Begriff POH (Power on Hours). 
Wäre eine HD für Dauereinsatz gedacht, sollte dieser Wert 732 Stunden pro Monat betragen. Dieser Wert bedeutet nun aber nicht, dass die Festplatte bei Überschreitung der Nutzungsdauer automatisch einen Defekt aufweisen wird. 
Wenden wir uns der Leistungsfähigkeit zu, stellen wir ebenfalls Unterschiede zwischen Server- und Desktop-HD's fest. Ein Server bedient mehrere Benutzer gleichzeitig, während der PC am Arbeitsplatz nur auf ein Kommando hört. Übertragen auf die Festplatten ergibt sich, dass die HD im Server mehrere Kommandos mehr oder weniger gleichzeitig ausführen sollte, oder diese ähnlich einer Routenberechnung optimieren muss um Wege auf der Plattenoberfläche einzusparen. Diese Eigenschaft nennt sich Command Queing und liegt bei teuren SCSI HD's bei 256 Kommandos, während ATA oder S-ATA HD's nur 16 verarbeiten können. Bei neueren S-ATA's ist die Zahl meines Wissens nach auf 32 erhöht worden. Es gibt aber auch Hersteller, die ATA - oder S-ATA Laufwerke für den Dauereinsatz zertifiziert haben, die auch entsprechend mehr kosten. 
Der Administrator wird kaum einem nichttechnischen Entscheider klar machen können, warum er eine Platte kaufen soll die gut 20 Mal teurer ist als die in seinem neuen Lidl- oder Aldi-PC, mit dieser Erklärung könnte es aber gelingen. 
Greifen wir das Thema Datensicherheit abschließend auf. Der Server hat ein Raid5 mit eben diesen preiswerteren Festplatten im Betrieb, dann ist in der Praxis folgendes Szenario oft vorgekommen. 
Eine der vier HD's fungiert als sogenannte Reserveplatte für die anderen Drei und ergibt optimale Sicherheit? Nun hat eine HD's einen Defekt, die Ersatzplatte springt ein und der Raidverbund ist stark beschäftigt mit der Wiederherstellung. 
Die nun folgende Beanspruchung nimmt eine weitere Festplatte übel, wegen hoher thermischer und mechanischer Belastung, fällt aus und der Raidverbund ist endgültig hinüber. Datenverlust ist das Ergebnis neben der Ausfallzeit der EDV und dem unplanmäßigen Leerlauf der betroffenen Mitarbeiter die nicht mehr an die Unternehmensdaten kommen. 
Es lohnt sich also für den Einsatzzweck Dauerbetrieb im Server zertifizierte Festplatten einzusetzen, der Mehrpreis rentiert sich doch. 

Michael Bormann



IDE
Integrated Disc Electronic. 
Beschreibt Geräte mit integrierter Controller-Elektronik gemäß der ATA-Spezifikation. Die IDE-Schnittstelle wird oft gleichgesetzt mit der Bezeichnung ATA-Schnittstelle 

SCSI
Small Computer System Interface. 
Allgemeine Bezeichnung für SCSI-1 bis -3 und CCS (Common Command Set). SCSI ist ein Bus (Kanal) vorwiegend zum Anschluss von Peripheriegeräten an Rechner/Server. 

MTBF
Mean Time Between Failures. 
Die mittlere Zeitspanne zwischen Fehlern. MTBF dient  für die Kennzeichnung der Zuverlässigkeit eines Geräts und ist als Durchschnittswert anzusehen.

PIO-Mode 
Abkürzung für programmierten Input/Output. 
Daten zwischen Laufwerk und Hauptspeicher werden mit Hilfe von IN/OUT-Befehlen über die CPU ausgetauscht. Der schnellste PIO-Mode 4 erreicht 16,6 MByte/s. 

ULTRADMA
Schnelle Übertragungsmodi der IDE-Schnittstelle.
UltraATA/33 oder UltraDMA/33 (korrekte Bezeichnung) ermöglichen eine maximale Transferrate von 33 MByte/s über die Schnittstelle. UltraATA/66 und UltraDMA/66 erhöhen den Datentransfer auf maximal 66 MByte/s. UltraATA/100 liegt bei 100 MByte/s.


Zeitverhalten der Übertragungs-Modi 
Die ATA-Spezifikation legt drei grundlegende Übertragungsprotokolle für die IDE-Schnittstellen fest. Es sind der PIO-Mode 0 bis 4, der Multiwort-DMA 0 bis 2, und der UltraDMA 0 bis 4, wobei 3 für UltraDMA/33, 4 für UltraDMA/66 und 5 für UltraDMA/100 steht. Die PIO-Modi benötigt die CPU, um Daten von der Festplatte in den Arbeitsspeicher zu übertragen. Beim DMA- und UltraDMA-Transfer erfolgt der Datenaustausch über das PCI-Busmastering 
ohne zutun der CPU. So ergibt sich zwangsläufig der Vorteil einer geringeren CPU-Belastung im DMA-Modus. Ein Vorläufer des Multiwort-DMA-Modus ist Einzelwort-DMA-Mode. Er funktioniert ähnlich, 
kann jedoch pro Transfer nur ein statt mehrerer Datenworte hintereinander übertragen. Multiwort-DMA hat Einzelwort-DMA abgelöst und spielt heute keine Rolle mehr.