|
|
Wenige Dinge werden derzeit so kontrovers behandelt wie der Datenschutz, sei es wegen aus kürzlich vorgefallenen
Kriminalfällen oder sonstigen Ereignissen.
Aber auch die Dreistigkeit einiger Datensammler nimmt zu
und reicht in ihrer Brisanz schon an eine zweite Volkszählung.
Von der Öffentlichkeit eher unbemerkt möchten Versicherungen [1]
liebend gerne das Genmaterial und alle Untersuchungen des Arztes Ihrer
versicherten Kunden in den Händen haben.
Eine Ereignis, aufgrund derer die Versicherung dann in Leistung treten sollte
wird dann ebenso sicher abgewiesen. Anhand der fortschreitenden Technik wird einem
die Leistung später unter Umständen verweigert, da eben diese Krankheit gen- oder untersuchungstechnisch
schon bei Eintritt in die Versicherung angeblich vorlag, den Beitrag zahlen darf man aber für -
ja was denn eigentlich dann?
Ab 2011 soll es nach deren Willen soweit sein, also noch Zeit genug darüber
zu verhandeln, nachzudenken, nachzubessern und wachsam zu sein.
Weniger Zeit verbleibt aber für diejenigen unter uns, die der 2006
in Deutschland ausgerichteten Fußball-Weltmeisterschaft live
beiwohnen möchten. Die hier in dem Onlineverkauf [2]
erhobenen Daten sind richtig persönlich und stellen einen Datenpool dar, der umfassender wohl
kaum sein kann. Dies alles unter dem Deckmantel der Sicherheit, aber Zeilen darunter
den eigentlichen Zweck offenbart - Marketing.
Üblicherweise sollte man Online der Erhebung und Weitergabe von Daten
durch ein sogenanntes >>OptOut<< gleich widersprechen können, hier aber nicht.
Ein umständlicher Widerspruchsweg per Post ist erforderlich, ohne die
Gewissheit jemals eine der begehrten Karten für ein Spiel in den Händen
zu halten. Diese Karten werden übrigens ein Eigenleben haben, das nicht weniger
erschreckend ist. Also eine echte Vorratsdatenspeicherung die es in sich hat
und nach derzeitigem Stand nicht zulässig ist. Würde eine Behörde nach diesen
Daten fragen, könnte man dies noch eventuell verstehen, eine nichtöffentliche
Institution wie die den Kartenverkauf ausrichtende Eventim AG hat diese Daten
aber unter keinen Umständen zu bekommen, von 30 Millionen [3] potentiellen
Interessenten und gleichzeitig ungewollten Werbekunden ist die Rede.
In einer letzten aktuellen Information [4] kann man nachlesen, dass Eventim gut gerüstet für die Datensammlung ab 1. Februar 2006 ist,
ein Barverkauf der Tickets findet nicht statt. In diesem Atemzug kommen auch die in einer
früheren Kolumne [5] genannten RFID-Chips wieder vor, die ebenfalls zur Vorbeugung
von Kriminalität die persönlichen Daten ablesbar beinhalten sollen.
Als Geschenk eignen sich diese Karten offenbar auch nicht da nicht übertragbar,
so die gerade aktualisierten Meldungen.
Eine Videoüberwachung der Stadien ist selbstverständlich und sicher nützlich,
verhalteneres Jubeln ist trotzdem nicht falsch.
Michael Bormann
1 Versicherungen
2 Eventim
3 Marketingdaten
4 Nachtrag
5 Gläserner Bürger GAZ vom 31.12.2004
|
|
|