GAZ vom 30.10.2004 Hitzeentwicklung
Der nächste Sommer kommt bestimmt…

Herbst, zumindest der goldene, ist erstmal vorbei. 
Draußen wird es kühl, regnerisch, und manch einer sitzt schon jetzt vor seinem Rechner an der Arbeit und träumt vom nächsten Sommer: Sonne, schön heiß, luftige Kleidung, lauer Wind. 
Wird’s wieder ein »Jahrhundertsommer« wie 2003? 
 Der hatte nicht nur den Menschen hitzemäßig arg zugesetzt, 
sondern auch dem »Partner« Computer. Dieser benötigt genau wie der hitzegeplagte Mensch eine angemessene Klimatisierung, um zu »funktionieren« – an der Arbeit und im Privatbereich gleichermaßen.

Tatort Serverraum 2003. 
Lief alles wirklich problemlos, gab es nicht mysteriöse Ausfälle und musste der Serverraum mit herkömmlichen Standventilatoren zusätzlich gekühlt werden? In der Zwischenzeit haben Sie Ihren Serverschrank (Rack) möglicherweise weiter bestückt, ein moderner Bladeserver kam hinein, das Festplattenarray wurde auch erweitert. 
Nun stehen Sie hinter dem Rack in einem lauen 37 Grad Celsius warmen angenehmen Windchen. Diese Temperatur stellt sich sogar dann ein, wenn die Server eigentlich nur eingeschaltet sind und nicht viel zu erledigen haben. Bei Belastung steigt die Chipwärme weiter an wenn sich die Benutzer am Server anmelden und Daten abgerufen werden oder eine Datenbankanwendung mehrere Benutzer gleichzeitig bedienen soll. 
Steigt die Raumtemperatur dadurch, wird durch schlechtere Kühlung die Abwärme der Gerätschaften ansteigen mit der Folge, Bauteile im Gehäuse erhitzen sich weiter und fallen irgendwann aus. 
Bei der Planung eines entsprechenden Serverraumes vor Jahren wurde sicher auch eine Klimaanlage mit berücksichtigt, die genau dies verhindern sollte. Es stellt sich die Frage, ob die Klimatisierung mit der Aufrüstung der Server mitgewachsen ist und die erforderliche Leistung noch bereitstellen kann. Im Jahrhundertsommer jedenfalls war das nicht immer der Fall. 

Jonglieren wir etwas mit den Zahlen. Ein Rack hat 42He (Höheneinheiten) und bei älteren Modellen sind diese Schränke 800mm tief und 2000mm hoch, heutige Schränke sind häufig 1000mm tief. Dieser Schrank ist mit 24 Servern a. 2HE voll bestückt.
 Jeder dieser Server möchte eine Leistung von 200Watt aufnehmen, wobei das noch etwas tief gegriffen ist, sich aber hier besser rechnen lässt. So ein Schrank nimmt dann 4.8 Kilowatt an Leistung auf, die teilweise in Wärme abgeführt wird. 
Ist die Klimaanlage für diese Leistung bemessen, oder sollte dies lieber vorzeitig überprüft werden, weil auch die Klimaanlage Wärme produziert, die hoffentlich nach Außen abgeführt wird. Kein Problem sagen Sie, wir haben moderne 1HE Bladeserver eingebaut. Richtig, aber die benötigen etwas mehr Leistung und ihr Schrank könnte 42 Stück davon aufnehmen. Selbst wenn der Schrank nicht voll bestückt ist, die oben angebrachten Geräte werden zuverlässig durch die darunter liegenden Einbauten mit erwärmt. Diese physikalische Eigenschaft kann fatal werden, einmal durch zusätzliche Wärme, andererseits durch den gewachsenen Aufbau eines Schrankes. Es ist einfach so, dass ein Schrank häufig zuerst unten bestückt wird. Erweiterungen die dann natürlich nicht weniger kritische Daten oder Anwendungen beinhalten, werden darüber eingebaut und freuen sich nicht wirklich über zusätzliche Wärme. 
Die Gefahr hier einen frühzeitigen Ausfall eines neuen Gerätes zu erleben ist nicht gering und häufig Anlass zu bei vorrausschauender Planung vermeidbaren Streitigkeiten. Überschlägig lassen sich mittels Doppelböden 3,5KW vernichten, mittels aktiver Rackkühlung kommt man auf ca. 6KW. 
In Gedanken rechnen Sie nun einmal nach, wie warm der nächste Sommer maximal werden darf, bevor Ihre EDV einen Hitzetot stirbt - oder überlassen dies besser einem Klimaanlagentechniker.

Dass ein voller Schrank ca. 900Kg wiegt und die Statik durchaus beeinträchtigen kann, ist auch eine Betrachtung wert.

Die nächste Gefahr, wie wird der benötigte Strom denn zugeführt? 
Der nötige Strom zum Rack kommt aus einer Kette von handelsüblichen Steckdosenleisten an die Server und Modems sowie die Festplatteneinschübe. Nicht selten wird eine einzige Steckdose im Serverraum dafür benutzt und soll dies alles verkraften. Tut sie auch, bis es ihr zuviel wird weil die ist damals bei der Planung nur für 16Ampere bemessen worden. Jede Steckdosenleiste ist auch für diese Leistung ausgelegt, aber die Summe erhöht sich leider nicht durch einfache Reihenschaltung.  Maximal 3,5 KW sollten pro Steckdosenleiste fließen, ihr komplettes Rack benötigt beim Wiedereinschalten aber wesentlich mehr, die Einschaltleistung ist ohnehin höher. Eventuell haben Ihre Server auch wegen der Ausfallsicherheit Dualnetzteile - sicher ist sicher, nur der Einschaltstrom verdoppelt sich dann natürlich auch. Oft ist das Rack nach Wartungsarbeiten oder dem Einbau und Inbetriebnahme eines weiteren Servers urplötzlich ausgefallen. Besser gestellt ist derjenige, der mehrere Anschlüsse im Raum hat. Nur sollte sichergestellt sein, dass die Last nicht trotzdem am gleichen Stromkreis hängt der womöglich auch noch andere Räume mitversorgt.
Ein Fall für ihren Elektriker bevor es brenzlig wird?

Schauen wir unter den Schreibtisch, da steht ein PC, und schön warm an den Füssen ist es auch – jetzt. Die neue Hochleistungsgrafikkarte sowie eine große Festplatte zusätzlich ist für Weihnachten eingeplant. Warum auch nicht, Datensicherheit ist wichtig, deswegen auch gleich zwei im 
Raid1 Verbund (Platten laufen gespiegelt) damit bei Ausfall der einen Platte die Daten noch vorhanden sind. Warum der PC unlängst mit einem blauen werbefreien Bildschirm den Dienst mehrmals quittiert hat ist fast vergessen, denn er läuft ja wieder  – Windows sei dank. Oder haben Sie nicht doch leise auf das Betriebssystem geflucht?
Hier stellt sich die Situation nicht anders dar als in einem Serverraum, eher kritischer weil unter einem Schreibtisch die warme Luft viel schlechter abgeführt wird. Auch ist das Staubaufkommen da unten eher höher. Dieser Staub legt sich zusätzlich wärmend um Bauteile und steckt in den Lüftern. So ein PC entwickelt demnach auch Wärme, und das nicht unbeträchtlich. 
Einfach mal den Prozessor nach einem Spiel mit dem Finger berühren, da kommen schnell 50 Grad und mehr zustande, die schnell abgeführt werden sollten. Die Festplatten sind im Normalbetrieb ohne Last schon um die 45 Grad warm, die Grafikkarte je nach Typ erreicht locker 60 Grad. Weitere Bauteile geben ebenfalls Wärme ab wie der CD- oder DVD-Brenner. 
Am besten schreibt man die passende Wasserkühlung gleich mit auf den Wunschzettel.


geröstet

Eindeutig zu warm geworden